Teamplayer: Martin, der Stürmer und Philipp, der Linksaussen

Reformation und Fußball – warum nicht.
Die Reformation vor 500 Jahren war auch wie ein Spiel, Fußball kannte man damals noch nicht; da spielte die Mannschaft
Luther-Protestantisch gegen Papst, Kaiser-Katholisch. Martin Luthers Fragen hatte die Reformation ausgelöst.  Es waren sein Mut und seine Entschlossenheit, die sie vorangetrieben haben. Aber alleine hätte er das Spiel nicht gewonnen, noch nicht einmal angepfiffen,  denn ohne die Vorarbeiten vieler Menschen und ohne die Unterstützung zahlreicher Mitstreiter – wer weiß, was aus der Thesenveröffentlichung vom 31. Oktober 1517 geworden wäre.
Philipp Melanchthon war Luthers wichtigster Mitstreiter, sein Linksaußen sozusagen, der die Pässe Luther in die Mitte rein gab und Luther schoss dann ein Tor nach dem anderen: Zuerst der Thesenanschlag 31.10.2017, 1:0, dann sein Auftreten vor dem Kaiser Karl V im Mainz, mit dem berühmten Satz: Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen. Das hat gesessen 2:0. Das 3:0 machte Philipp Melanchthon am 25. Juni 1530 mit dem Augsburger Bekenntnis, das er verfasste.

Mit zwei Bildern möchte ich Sie nach Wittenberg führen, in die Lutherstadt Wittenberg, die so heißt, obwohl auch Melanchthon hier lebte und wirkte. Nur einen Steinwurf weit voneinander entfernt wohnten die beiden Reformatoren, auf dem Marktplatz der Stadt stehen sie beide in Sichtweite. Wobei das Denkmal Luthers zuerst da war – 1821 enthüllt –, das von Melanchthon wurde 1865 eingeweiht. Luther und Melanchthon waren Teamplayer, sie spielten sich die Bälle zu:


Luther hält seine Übersetzung der Heiligen Schrift in Händen, sein Blick geht geradeaus, sein Mund wirkt etwas verkniffen.
Melanchthon wurde vierzig Jahre später viel freundlicher dargestellt.  Er hält die Schriftrolle des Augsburger Bekenntnisses in Händen, sein Blick geht zum Himmel, ein Lächeln spielt um seine Lippen.  Es ist müßig, darüber nachzudenken.

Warum Johann Gottfried Schadow Luther so streng und Friedrich Drake Melanchthon so heiter dargestellt haben  – vielleicht spiegelt sich darin der unterschiedliche Charakter der beiden Reformatoren wider: Der eher zu als Stürmer zu bezeichnende Martin Luther und der eher auf Ausgleich mit den Katholiken bedachte Melanchthon, eher der Verteidiger und Linksaußen.

Philipp Melanchthon wurde als Philipp Schwarzerde 1497 geboren, war also 14 Jahre jünger als Martin Luther. Ihm wurde von seinem Lehrer Johannes Reuchlin nach humanistischer Gepflogenheit der griechische Name Melanchthon zugesprochen. Er kam erst nach Beginn der Reformation im August 1518 nach Wittenberg. Der vom Humanismus geprägte Gelehrte wandte dessen Prinzipien auf die reformatorische Theologie an: Das Bekenntnis zum Evangelium erforderte nach seiner Ansicht gründliches und sorgfältiges Studium der Quellen. Ohne entsprechende Bildung, ohne Kenntnis der alten Sprachen und antiken Schriften könne die Schrift nur oberflächlich verstanden werden. Durch Melanchthon wurde die Reformation eine Bildungsbewegung.

Philipp Melanchthon gründete Schulen, kümmerte sich um die Ausbildung der Lehrer und schrieb Lehrbücher.  Nicht wenige von diesen Lehrbüchern wurden auch an katholischen Schulen verwendet, nachdem man den Namen des Autors geschwärzt hatte. Melanchthons Kompromissbereitschaft, die besonders bei der Abfassung des Augsburger Bekenntnisses zutage trat, brachte ihm auch Kritik ein: Vielen erschien der sanftere der beiden großen Wittenberger Theologen nicht „protestantisch“ genug, obwohl viele seiner Formulierungen maßgeblich evangelische Positionen markieren. Und so sind diese beiden Reformatoren auch nur als Einheit zu haben.

Luther sah das selbst genauso. Er anerkannte gegenüber dem Kurfürsten das von Melanchthon 1530 entworfene Augsburger Bekenntnis, die bis heute maßgebende evangelische Programmschrift: „Ich weiß daran nichts zu ändern und zu bessern und würde sich auch nicht schicken, denn ich nicht so sanft und leisetreten kann als Meister Philipp.“

Die Reformation war Teamwork – und das sollte uns bis heute zu denken geben. Bei allen Reformbestrebungen und trotz aller Meinungs- und vielleicht auch Mentalitätsunterschiede – große Ziele sind auch heute nur gemeinsam zu erreichen. Das schließt Streit und Konflikte nicht aus, die Reformation und immer wieder notwendige Reformen waren und sind meistens eine streitbare Angelegenheit – doch darf das Gemeinsame, das Verbindende, das doch immer überwiegt, nicht aus dem Blick geraten. Nicht innerhalb einer Konfession und auch nicht zwischen den Konfessionen.

Uns ist im 500. Refomationsjubiläumsjahr 2017 der Ball zu gespielt worden. Heute ist nicht mehr der Papst und die kath. Kirche unser Gegner. Gegen wen spielen wir heute? Gegen Mainstreaming, gegen Meinungs-Diktatur der Regierenden, gegen Islam-Toleranz, gegen Intoleranz gegenüber patriotisch denkenden Menschen des eigenen Volkes…? Mit dem Bundestagsbeschluss „Ehe für alle“ – haben die Befürworter ein Eigentor geschlossen, denn das Bundesverfassungsgericht wird den Beschluss kippen.
Unsere Evangelische Mannschaft soll nicht angepasst vorgegebene politischen Meinungen nachlaufen, sondern sich daran erinnern: Wir waren und sind Protestanten, darum Mut zur Wahrheit!

Wichtig ist es zu sagen: Es ist ein Spiel – auch wenn viel auf dem Spiel steht. Der Meinungsaustausch und der Streit um Argumente und Ansichten muss fair nach allen Seiten gespielt werden.

(foto alaba schoening.at text fm aus der predigt zum gottesdienst auf dem sportplatz 2.7.17)

 

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