In Erwartung einer fröhlichen Auferstehung – mit der Gabel in der Hand …

Am letzten Sonntag im Kirchenjahr werden im ganzen Land Gottesdienste gefeiert, in denen die Namen der Verstorbenen vorgelesen wurden. Der Verstorbenen eines Jahres,die nun nicht mehr zu unserem Leben gehören. In vielen Gemeinden sind Kerzen angezündet worden – für jede Tote, für jeden Toten eine. Die Angehörigen können diese Kerze dann mit nach Hause nehmen. Noch einmal leuchtet also ein Licht für die Toten. Noch einmal, ein letztes Mal, wird ihr Name in der Kirche genannt. Dann überlassen wir sie endgültig der Totenruhe und der Ewigkeit.

In der Kirche des Klosters Loccum steht ein alter Grabstein. Darauf ist in der Mitte zu lesen, dass Johann Jäger, Meister des Maurer- und Steinhauerhandwerks, 1691 in Gera geboren wurde, fast drei Jahrzehnte im Kloster gedient hat und im Alter von 63 Jahren „in Christo allhier in Loccum selig entschlafen“ ist. Unter diesen Lebensdaten findet sich folgender Spruch:

Nun Sterblicher betrachte mich:
Du lebst – ich lebt‘ auf Erden.
Was du jetzt bist – das war auch ich;
was ich bin – wirst du werden.
Du musst hernach – ich bin vorhin,
gedenke nicht in deinem Sinn,
dass du nicht dürftest sterben.

Der verstorbene Johann Jäger spricht mit dem Betrachter seines Grabsteines. Er erinnert die Lebenden an ihre Endlichkeit. Er erinnert daran, dass die Toten einst lebten, nun aber vorangegangen sind auf die andere Seite des Lebens; und er erinnert daran, dass es kein Vertun gibt: Auch du, der du diesen Stein betrachtest und dich lebendig fühlst, wirst sterben.

In der Bibel heißt es: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“ (Psalm 90,12). Die Grabinschrift scheint mir eine Ausführung dieses Bibelverses zu sein. Herr, lehre mich bedenken, dass ich sterben muss, auf dass ich klug werde.

Aber was heißt das eigentlich?  Zu bedenken, dass ich sterben muss, auf dass ich klug werde? Rätselhaft ist mir dieser Satz.  Nicht fertig bin ich mit ihm. Heute, in diesem Abschnitt meines Lebens,  will ich ihn so verstehen:  Ich will in dieser Woche leben, als wäre es die letzte Woche meines Lebens. Ich will in dieser Woche einem Menschen, den ich liebe, so begegnen, als sähe ich ihn zum letzten Mal. Ich will in dieser Woche durch den Wald gehen und das Laub fühlen, als gäbe es nie mehr einen Herbst für mich. Ich will wenigstens beginnen, ein Buch so zu lesen, als würde es danach keines mehr geben für mich. Ich will noch einmal einen guten Wein öffnen und ihn trinken, als wäre es das letzte Glas in meinem Leben. Ich will noch einmal Musik hören, die mich begleitet, noch einmal etwas Wunderbares kochen, noch einmal den Regen auf meiner Haut spüren und mich an den zaghaften Strahlen der Sonne freuen. Noch einmal möchte ich herzlich lachen – als wäre es das letzte Mal in meinem Leben.

Herr, lehre mich bedenken, dass ich sterben muss, auf dass ich klug werde.
Nun Sterblicher betrachte mich: Du lebst – ich lebt‘ auf Erden. Was du jetzt bist – das war auch ich; was ich bin – wirst du werden.

Die Namen der Toten in den Gottesdiensten vorgelesen. Irgendwann einmal wird auch mein Name dabei sein. Irgendwann werde auch ich den Lebenden vorausgegangen sein auf die andere Seite des Lebens und meine Gebeine werden ruhen.

Dann aber will ich in der Hoffnung begraben sein, die Johann Jäger ganz oben auf seinen Grabstein hat meißeln lassen – noch über seinem Namen steht groß geschrieben:

Hier ruht in Erwartung einer fröhlichen Auferstehung.

Angesichts des Todes und der Toten, angesichts der eigenen Endlichkeit will ich doch die Hoffnung nicht aufgeben: die Hoffnung auf Auferstehung; eine fröhliche Auferstehung.

Die Geschichte vom alten Seebären
Ein alter Seemann, der sich zur Ruhe gesetzt hatte, ging zu seinem Pfarrer, um mit ihm die letzten Dinge zu besprechen. Den Text zur Trauerfeier, die Lieder, die gesungen  werden sollten, seinen Lebenslauf… „Um noch eins, Herr Pfarrer, bitte ich Sie, ich möchte mit einer Gabel in der Hand beerdigt werden!“ Der Pfarrer schaute ihn fragend an: „Mit einer Gabel in der Hand?“ „Ja, Herr, Pfarrer, Sie müssen  wissen, als ich zu See fuhr, gab es meist immer nur einfaches Essen, jeden Tag das gleiche. Aber einmal sagte der Koch zu uns Männern: Behaltet die Gabeln, das Beste kommt noch.“

(foto schwuerbitz.eu/2012/11/25/ text fm nach vorlage)

 

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Evangelisches Bildungswerk im Dekanat Ansbach
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Gemeindefest der Christuskirchengemeinde mit Abschlusskonzert mit Jugendchor, Kirchenchor und Posaunenchor
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