„Da musste sogar die Mutter weinen.“

„Da musste sogar die Mutter weinen.“ Das war die Reaktion eines Kindes nach der Betrachtung eines Kreuzweges. Irgendetwas war so schlimm, dass sogar die Mutter weinen musste. Was sich dem Kind so nachdrücklich eingeprägt hatte, war das Bild Marias mit dem toten Sohn auf dem Schoß. Und es drückt damit aus, was wir alle empfinden. Wenn eine Mutter (oder auch ein Vater) ihr Kind beweinen muss, stimmt irgendetwas nicht. Dann ist die Ordnung auf den Kopf gestellt. Dass Kinder den Tod ihrer Eltern beweinen, entspricht dem Lebenslauf. Doch wenn Eltern ihr Kind beweinen, dann hält sich der Tod nicht an die Regeln, tritt zur Unzeit ein, lässt uns fassungslos zurück.

In Schmerz und Trauer erstarrt, hart geworden wie ein Stein, fassungslos – so lässt der Tod Eltern zurück, die um ihr Kind trauern. Ich erinnere mich an Kindergräber, die noch dreißig und vierzig Jahre nach dem Tod des Kindes liebevoll gepflegt, mit Blumen geschmückt sind, als ließe das Grauen nicht nach, als habe der Tod die Trauernden immer noch in seiner Gewalt. Keine Spur von „Loslassen“, keinen Trost, weil es wie Verrat erscheinen würde.

Das Bild einer weinenden, trauernden Mutter haben wir vor Augen, wenn wir nach dem Kreuzestod Jesu, Maria ihren Sohn beweinen sehen. Ohne Worte, allein die mütterliche Geste der Trauer – auch das muss am Karfreitag ausgehalten werden.
(text fm nach michael tillmann foto biblical-art.com)

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