Arbeit an sich selbst

Ein „Tag der Arbeit“ geht auch anders. Wie zum Beispiel in den USA. Da bekommen alle 175.000 Angestellte der Kaffeehauskette „Starbucks“ einen halben Tag frei (Ende Mai). Aber nicht zum Ausruhen, sondern zur Arbeit an sich selbst. In einer Filiale der Kaffeehauskette gab es vor kurzem einen ernsten Zwischenfall. Zwei schwarze Gäste wurden auf Verlangen von Mitarbeitern der Filiale von der Polizei in Handschellen abgeführt, weil sie angeblich nichts bestellen wollten. Das wollten sie doch, sie hatten nur sehr lange auf einen Freund gewartet. Andere Gäste empörten sich über diese Verhaftung; Zeitungen und Fernsehen berichteten. Der Ruf der Kaffeehauskette war nach kurzer Zeit stark beschädigt. Das soll jetzt wieder besser werden. Mit einem halben Tag Training gegen „rassistische Vorurteile“ und jede Art von Diskriminierung, heißt es. Also mit Arbeit an sich selbst.

Das hätten vermutlich viele nötig, auch in unserem Land. Vielerorts wird schlecht geredet und gelästert: über Schwarze, Türken, Russen, Araber; über Obdachlose oder Bettler; über andere Schülerinnen und Schüler in Berufsschulen und Gymnasien. Selbst Juden sind in Deutschland wieder Spott oder Schlägen ausgesetzt, wie wir in den letzten Tagen lesen mussten. Viele jüdische Einrichtungen wie Kindergärten und Synagogen werden dauerhaft polizeilich geschützt. Warum eigentlich? Hat uns jemals einer von „den anderen“ etwas getan? Oder etwas weggenommen? Warum muss man über andere schlecht denken, reden, sie gar beschimpfen?

Damit man sich selber besser aushält, ist zu vermuten. Wer über andere herzieht, oft ja grundlos, ist erst einmal unzufrieden mit sich. Dafür kann es Gründe geben, natürlich. Aber liegen die bei den anderen? Bei Ausländern, Eingewanderten oder Menschen mit anderer Religion? Wohl eher nicht.
Man könnte also eher an sich selbst arbeiten; an der eigenen Zufriedenheit. Das sollte zeitnah beginnen, an einem freien Tag oder an einem freien Wochenende. Da will ich dann lieber auf mich sehen, auf mein Leben und Gottes Beistand darin. Ich will mich mit niemandem vergleichen; möglichst auf keinen Menschen herabsehen. Erst einmal will ich mich sehen und versuchen, mir meine eigene Unzufriedenheit zu erklären und Gründe dafür zu finden.
Zugleich könnte ich versuchen, dankbar zu werden für das, was ich habe. Ich habe Einkommen, Rente; ich habe Familie und Freunde; ich habe zu essen und zu trinken. Ich kann mir Hilfe holen, wenn ich in Not sein sollte. Und, ganz wichtig: ich habe ein Zuhause und eine Heimat. Das nimmt mir niemand weg, weiß Gott nicht. Dafür bin ich ihm dankbar. Ich werde zufriedener, je dankbarer ich sein kann.

(fto http://www.tripadvisor.in/ text f.müller nach buhv.de)

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