21 Nov „Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht was sie tun!“

Eines der anstößigsten Worte Jesu ist dieser Satz, den er am Kreuz, Augenblicke vor seinem Tod, im Blick auf seine Mörder, betete. Er bittet Gott darum, dass er seinen Mördern vergibt. Selbst

Er selbst hatte den Soldaten, die ihr grausames Handwerk verrichteten, vergeben, nun bittet er auch seinen himmlischen Vater darum, ihnen zu vergeben. Damit hat Jesus den Teufelskreis von Hass und Gegenhass durchbrochen und seinen Nachfolgern die Feindesliebe als Vorbild hinterlassen. Diese Bitte Jesu hörte der römische Offizier, sie ging ihm ins Herz, sodass er bekannte: „… dieser ist Gottes Sohn!“.

Wie gehen wir heute mit Hassbotschaften, Falschmeldungen und Beschimpfungen um? Wer sich einmal in den sozialen Medien solchen Angriffen ausgesetzt sah wird wissen, wie weh es tun kann verleumdet und angegriffen zu werden.
Unsere Gesetze schützen uns mit rechtlichen Mitteln gegen diese Art von Mobbing und Verleumdung. Politisch Linke und Rechte gehen verbal aufeinander los, hetzen und führen einen medialen Kampf gegeneinander bis hin zu Gewaltaufrufen wie „die müssen bis aufs Messer bekämpft werden…“.

Jesus warnt im Evangelium davor Gleiches mit Gleichem zu vergelten und andere zu verurteilen. Denn, wer andere verurteilt, verurteilt sich selbst. Trifft das uneingeschränkt zu? Oder gibt es Ausnahmen bei denen das nicht gilt? Gelten Gnade, Barmherzigkeit und die Anwendung des Evangeliums auch für Hasser und Mobber, die mit ihren Schmähungen im Netz Gift verbreiten? Es ist unbestritten, dass, wer auch verbal eine Straftat begeht, au dafür zur Rechenschaft gezogen werden muss.

Steht es uns Christen zu, zusätzlich Öl ins mediale Feuer zu gießen? Ist es nicht den Nachfolgern Jesu aufgetragen auf dem Weg der Versöhnung zu gehen? Bei kirchlichen Verlautbarungen zu aktuellen politischen Themen hört man wenig von Versöhnung. Es ist leicht sich einer politischen Mehrheitsmeinung anzupassen und in den Chor der entrüsteten Empörer einzustimmen. Aber wer wagt es im Geist Jesu Versöhnung zu leben? Leicht gerät man dabei zwischen die Fronten. Hat die Kirche nicht die Aufgabe jenseits von Beschuldigungen und Anklagen in den Spalt, der durch die Gesellschaft geht, zu treten und die Versöhnung zu predigen?

Wer seine politische Meinung mit Hassbotschaften zum Ausdruck bringt, der muss in seinem Leben zutiefst verletzt worden sein. Jede Äußerung von Hass und Gewalt ist immer auch ein tragischer Versuch auf sich aufmerksam zu machen und seine Bedürfnisse nach Anerkennung und Wertschätzung auszudrücken.

Wer hat den Mut in ein hasserfülltes Gesicht zu sehen, eine Hassbotschaft zu lesen und dahinter doch einen Menschen zu erkennen, der es trotzdem wert ist, geliebt zu werden? Auch wenn wir in einer Welt leben in der politische Kontrahenten auf einander losgehen, ruft Jesus uns in seine Nachfolge der Liebe und auf den Weg der Versöhnung.

(Foto Lizenz bei www.Photocase.de Text F.Müller. Der Text ist die persönliche Meinung des Verfassers.)