26 Jul In diesen Tagen des Schreckens… Nachdenken mit Kant

Ein 18-jähriger Deutscher mit iranischen Wurzeln begeht in München einen Amoklauf, bei dem 10 Menschen sterben und über 20 zum Teil schwer verletzt werden.
Ein 27-jähriger Asylbewerber sprengt sich in Ansbach in die Luft und verletzt viele Menschen.
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Welche Haltung ist noch möglich in solchen Tagen des Schreckens?

In diesen Tagen des Schreckens kann es etwas geben, was uns hilft: Wir können Menschen bleiben, menschlich bleiben. Wenn ich mich selber etwas beruhigen will, dann sage ich mir: Versuche, einigermaßen die Ruhe zu behalten. Die Schrecken sind schon groß genug, bedenkt man die letzten Monate. Anschläge in Belgien und Frankreich, zuletzt in Nizza; jetzt die Mordversuche in einem Zug bei Würzburg und die Morde beim Amoklauf in München und der Terroranschlag in Ansbach.
Für alles gibt es viele und unterschiedliche Erklärungen, aber niemals Verstehen. In München sterben viele junge Menschen, fast alle mit Migrationshintergrund. Ein junger Mann, Deutscher von Geburt, der selbst einen iranischen Migrationshintergrund hat, erschießt diese jungen Menschen, nachdem er laut gerufen haben soll: Ich bin Deutscher.

In solchen Tagen des Schreckens darf es nur eins geben: dass wir Menschen, dass wir menschlich bleiben.
Wut ist verständlich, hilft aber niemandem. Behutsamkeit und Übersicht über das eigene Empfinden helfen mehr. Wir sind, Gott sei Dank, keine direkt Beteiligten; wir sind ferne Betroffene, deren Schmerz mitfühlend ist. Wir sollen uns nicht beherrschen lassen von Rachegedanken. Rache engt ein und macht klein. Wir können menschlich bleiben: vorsichtig im Reden über andere; achtsam gegenüber anderen, auch wenn wir sie nicht kennen; vor allem vertrauensvoll in unserer Hoffnung auf unsere Freunde und Gott.

Der deutsche Philosoph Immanuel Kant (1724 – 1804) hat einen Satz geschrieben, der eine Hilfe sein kann in Tagen des Schreckens. Er schreibt: In schwierigen Zeiten gibt es eine gewisse Pflicht zur Zuversicht. Das ist schwer, wenn der Schmerz groß ist wie bei den Angehörigen. Für uns als entferntere Zeugen aber kann es eine Hilfe sein, die Zuversicht nicht aufzugeben. Zuversicht heißt: menschlich bleiben. Sich nicht beherrschen zu lassen nur von Wut und Abscheu, sondern sich eine gewisse Nüchternheit zu bewahren. Zuversicht heißt: das Vertrauen in Menschen nicht aufzugeben in die Freunde, die Familie, die Nachbarn und Kollegen. Zuversicht heißt: sich im Gebet entlasten zu können und sich das Rätsel, das Gott oft ist, nicht zu verschweigen. So gelingt es vielleicht besser, einen freieren Blick zu bewahren auch auf die Täter, die sich oft als Verlierer fühlten und sich zu bösen Helden machen. Vielleicht hilft uns der freiere Blick, eine tiefe Not bei anderen früher zu erkennen und Menschen beizustehen, die sich in der Welt zu verlieren drohen.

In schwierigen Zeiten gibt es eine gewisse Pflicht zur Zuversicht.

Mit dieser eher angenehmen „Pflicht“ mildern wir vielleicht ein wenig die Schrecken dieser Tage. Gott helfe uns in diesem Bemühen.

(foto http://fil.cfh.ufsc.br/v-congresso-nacional-da-sociedade-kant-brasileira/ text fm nach mb, buhv)