Wo es Liebe regnet, wünscht sich keiner einen Schirm

„Wo ich Liebe sehe, ist es immer, als wäre ich im Himmel“, dichtete Johann Wolfgang von Goethe. Das gilt wohl auch für das Paar auf dem Bild. In ihrer Liebe sehen sie – vielleicht – den Himmel. Was macht es da schon, dass er bewölkt ist? Vorsichtshalber haben die beiden schon einmal einen Schirm aufgespannt. Vielleicht gegen den drohenden Regen, vielleicht aber auch, um ein wenig zusammenzurücken, um mit diesem „Dach über dem Kopf“ für sich zu sein (auch geschützt vor neugierigen Fotografen?).
Wobei – das eigentliche Dach über den beiden; das, was sie zusammenhält, ist die Liebe selbst. Die Liebe zwischen zwei Menschen kann ein Schutz sein gegen die Belastungen des Alltags, gegen Angst und Trauer. Und deshalb weiß das Sprichwort: „Wo es Liebe regnet, wünscht sich keiner einen Schirm.“Und was ist mit denen, die niemanden haben, den sie lieben und der sie liebt? Denen ihre Einsamkeit eine Last im Leben ist? Die keinen „Schutzschirm der Liebe“ in ihrem Leben spüren? So ein Schirm über dem Kopf kann manchmal auch den Blick nach oben, den Blick auf den Himmel verstellen. Kann vergessen lassen, dass – wie Martin Luther gesagt hat – „die Barmherzigkeit Gottes wie der Himmel ist, der stets über uns fest bleibt. Unter diesem Dach sind wir sicher, wo auch immer wir sind.“ Die Barmherzigkeit Gottes ist so grenzenlos wie der Himmel. Sie wärmt in der Kälte der Einsamkeit. Sie tröstet, wenn Liebe ihr Ende findet. Sie vergibt, wenn Liebe verletzt wird. Sie ermutigt, wenn Liebe enttäuscht wird. Sie hilft bei Sturm und Regen. Oder, wie Paul Gerhardt gedichtet hat: „Wer unterm Schirm des Höchsten sitzt, der ist sehr wohl bedecket; wenn alles donnert, kracht und blitzt, bleibt sein Herz ungeschrecket.“

(text nach Michael Tillmann foto Michael Tillmann)

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