Liebe weihnachtlich gestimmte Menschen!

Gestattet mir einen kurzen Zwischenruf. Mein Name ist Benjamin. Ich zähle zur Gattung der Huftiere, bin ein sogenanntes Grautier. Oder schlicht ein Esel. Entschuldigt, dass ich mich so unvermittelt zu Wort melde. Aber ist Euch bewusst, welch zentrale Bedeutung uns Eseln in der Heilsgeschichte zukommt? Wir haben schon Abraham, Isaak und Jakob getragen, auf uns sind Moses, David und die anderen Könige geritten – und wir hielten unseren Rücken hin für den Messias! Ein Esel war es, auf dem Jesus in Jerusalem Einzug hielt gemäß der Verheißung des Propheten Sacharja. Und ich hatte die Ehre, der Heiligen Familie zur Flucht vor König Herodes nach Ägypten zu verhelfen – ansonsten wäre die Geschichte zu Ende gewesen, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte. Ich war es also, der IHN getragen hat und so vor den Häschern des Herodes bewahrte!

Wäre nicht immer wieder einer aus der Sippe von uns Eseln da gewesen, nichts wäre es mit dem Messias und mit Weihnachten, nichts mit Hosianna, Kreuzigung, Tod und Auferstehung und somit der Erlösung geworden. Nichts mit Christentum, Kirche und Orden. An dieser Stelle darf Eigenlob ruhig einmal stinken! Wir Esel sind also die wahren Träger der Heilsgeschichte! Viel­leicht sind wir auch deshalb erwählt, weil wir ein besonderes Gespür für Gott haben. Lest doch mal die wunderbare Geschichte vom Seher Bileam und seinem hellsichtigen Esel. Ihr werdet staunen!

Ich sage Euch: Gott braucht auch die Dummen in seiner Heilsge­schichte, sehr nötig sogar; dumme Esel, alte Esel, die nur »I« und »A« sagen können (in Klammern sei gesagt, dass wir immerhin bis zu 50 Jahre alt werden können). Wenn demnächst jemand zu Dir »alter Esel« sagt, dann denke daran, was ich Euch geschrieben habe: Gott braucht Dich, Du alter Esel, Du bist ein Träger der Heilsgeschichte. Und damit Du das nicht vergisst, darfst Du Dir ruhig ein Eselsohr in diese Karte machen! Damit möchte ich Eurer Weihnachtsvorbereitung nicht länger im Wege stehen. Es grüßt Euch in heilsgeschichtlicher Verbundenheit und mit einem kräftigen »l-A«

Euer alter Esel Benjamin

P.S.: Ich würde mich riesig freuen, wenn in Eurer Krippe für mich noch ein Plätzchen frei wäre – am liebsten mit meinem Kumpan Bruder Ochse. Wenn ihr wissen wollt, warum wir an der Krippe nicht fehlen dürfen, dann findet ihr die Antwort beim Propheten Jesaja gleich im dritten Vers des ersten Kapitels ….

(Foto iStock.com – Stephan Barnes auf der Postkarte der Zeitschrift „Franziskaner“ www.franziskaner.de Text „Ein tierischer Zwischenruf“ von Bruder Stefan Federbusch OFM bearbeitet von F.Müller)

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