Fußball plus Mitgefühl

Im dänischen Mannschaftshotel bei der Fußball-WM in Russland kommt es zu einem Ereignis aus Mitgefühl. Es muss nicht immer heißen: Ich zuerst.

Auch wenn wir dieses Jahr vielleicht nicht Weltmeister werden: Fußball kann schön sein. Viele erleben das an ihren Fernsehschirmen oder beim gemeinsamen öffentlichen Schauen. Und Fußball plus Mitgefühl ist schön, wie eine Begebenheit aus der Mannschaftsunterkunft der dänischen Nationalmannschaft zeigt.

Dem dänischen Fußballer Jonas Knudsen widerfährt in Russland ein viel zu frühes Glück. Er wird Vater. Seine Frau bringt das gemeinsame Kind zur Welt. Aber in Dänemark; leider auch noch vier Wochen vor dem errechneten Termin. Keiner hatte mit der Geburt während der Weltmeisterschaft gerechnet. Nun ist Jonas Knudsen glücklich und unglücklich zugleich. Er ist Vater einer Tochter geworden – er ist aber auch Tausende von Kilometern entfernt von der Heimat. Dabei möchte er so gerne seine Tochter in die Arme nehmen dürfen.

Jetzt kommt das Mitgefühl. Die mehr als zwanzig anderen dänischen Spieler greifen tief in ihre Taschen. Sie sammeln Geld für einen Privatflieger. Jonas kann eben mal nach Dänemark fliegen. Er bleibt ein paar Stunden bei seiner Frau und Tochter. Dann steigt er wieder in seinen Privatflieger, fliegt zurück ins Mannschaftshotel nach Russland und ist pünktlich beim Training der ganzen Mannschaft.
Mitgefühl hat seinen Preis, manchmal. Das spüren die Fußballer, als sie die Rechnung sehen.

Natürlich, es trifft keine Armen. Aber darum geht es auch gar nicht beim Mitgefühl. Es geht ums Erkennen, was einer oder eine braucht, was er oder sie in diesem Augenblick dringend nötig haben. Dazu muss man erst einmal nur sehen, hinhören – und sich ein wenig einfühlen in die Wirklichkeit anderer.

Vor allem muss man wegsehen können von sich. Nicht: Ich zuerst; sondern: Was braucht mein Nachbar oder Nachbarin; was braucht mein Freund oder der Fremde ein paar Meter weiter weg von mir? Was brauchen die Menschen, die ich zaudernd oder verwirrt in den Straßen sehe? Was hat die nötig, die mit Tränen auf der Parkbank sitzt oder schwer atmend einkauft? Brauchen sie vielleicht gerade mich? Mit meinem Hauch an Verständnis – und nicht gleich mit Maßregelungen, mit Häme oder mit Verurteilen?
Bestimmt brauchen sie mich. Ich kann ihr Helfer werden, manchmal. Ich darf ihnen etwas davon zeigen, wie Gott ist; und wie es schön aufgeschrieben ist in Psalm 103 (Vers 8): Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte. So kann ich auch sein, manchmal. Oft genügt es dafür schon, nicht zuerst auf mein eigenes Weiterkommen zu achten.
Mitgefühl statt Ellbogen. Es muss nicht immer zuerst um mich gehen. Es kann auch mein Glück werden, anderen zu dienen.

(Foto weltfussball.com Text F.Müller nach buhv.de)

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