Dürfen wir uns so etwas leisten?

Hamburgs neues Wahrzeichen, die Elbphilharmonie, ist eingeweiht. Die einen nennen die Kosten des Bauwerks, 800 Millionen Euro Steuergelder, eine Schande. Andere feiern den Bau als eine Art Weltwunder.

Manchmal liegt die beste Antwort in einer Gegenfrage. Die antwortet dann nicht, regt aber unser Nachdenken an. Das Nachdenken darüber, was wir uns leisten sollen – und was nicht. So in Hamburg. Dort wurde vor wenigen Tagen die Elbphilharmonie eröffnet – der Konzertsaal mit Hotel, dessen Bau an eine Meereswelle erinnert. Der Bau dauerte mit Planung fast fünfzehn Jahre und kostete das Zehnfache der zunächst veranschlagten Summe, nämlich fast 800 Millionen Euro; alles Steuergelder. Da kamen viele ins Grübeln und fragten sich: Dürfen wir uns das leisten? Brauchen wir das?

Diese Frage wurde auch dem Dirigenten Christoph von Dohnányi gestellt, einem Neffen von Dietrich Bonhoeffer. Er gab keine direkte Antwort darauf, stellte aber eine Gegenfrage. Auf die Frage: Brauchen wir die Elbphilharmonie?, antwortete von Dohnányi: Brauchen wir Beethovens Neunte Sinfonie?

Manchmal liegt die beste Antwort in einer Gegenfrage. Der Dirigent beantwortet nichts, gibt aber etwas zum Nachdenken. Brauchen wir Musik wie „Freude schöner Götterfunken“ aus Beethovens Neunter Sinfonie? Brauchen wir Gemälde und Dichtung? Brauchen wir Orgeln in unseren Kirchen und Ausstellungen von Kunst? Die Antwort ist nicht einfach. Ich kann Menschen verstehen, die Nein sagen und Etliches viel zu teuer finden. Solche Kritik achte ich. Ich selbst sage aber: Ja. Wir brauchen Kultur und auch oft teure Säle, um sie aufzuführen. Kultur ist der Zusammenhalt der Welt.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sagt Jesus (Matthäus 4,4). Jesus will natürlich, dass Menschen satt werden. Er will aber auch, dass die Seele Nahrung bekommt. Kultur, also Musik, Bilder und Dichtung, ist Nahrung für die Seele. Die Seele erbaut sich nicht nur am Alltäglichen, sondern ebenso an dem, was den Alltag übersteigt: Klänge, Gedichte, Bilder. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, das heißt: Wir sorgen uns, dass Menschen Brot bekommen und satt werden; wir bemühen uns aber auch, dass die Seelen der Menschen Nahrung bekommen.

Wer meint, Kultur – und viel Geld dafür – nicht zu brauchen, lässt womöglich Seelen verkümmern. Ein Land ohne Kultur ist ein trostloses Land. Auch darum, weil alles Kulturelle zum nötigen Streit anregt: Ist das Kunst? Ist das überflüssig? Sollen wir es gar wegwerfen? Darüber sollte nur, und erst allmählich, die folgende Zeit entscheiden. Kaum jemand mochte Bachs Musik, als man ihn zu Grabe trug. Viele Bücher wurden einst missachtet und sind heute Weltliteratur. Vincent van Gogh war bettelarm, verkaufte zu Lebzeiten kein einziges Bild; seine Bilder kosten heute viele Millionen. Erst die Zeit danach macht manches groß bis unverzichtbar.

Kultur ist der Zusammenhalt der Welt. Ist Nahrung für die Seele. Auch geistliche Mittel sind Lebensmittel.

(foto klassiker.welt.de text fm nach buhv.de)

 

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