27 Sep Wie wir leben sollten

Kein Rezeptbuch, aber ein Buch, das ermutigt zu gründlichem Nachdenken im Angesicht mancher Bedrohung in der Welt.
„Wie sollen wir leben?“, fragen sich nachdenkliche Menschen oft. Was können wir noch glauben? Welche Nachrichten sind wahr und welche sind womöglich gefälscht? Wem können wir trauen und wem müssen wir kritisch gegenübertreten?

Alle diese Fragen beschäftigen auch den israelischen Historiker Yuval Harari, 42 Jahre alt. Und weil er nicht nur ein nachdenklicher Mensch ist, sondern auch einer, der gut schreiben kann, ist von ihm vor vier Tagen ein Buch erschienen, das sich diese Fragen stellt – vor alle die eine Frage: Wie sollen wir leben?* Das Buch trägt den Titel „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ und beschäftigt sich mit den wesentlichen Fragen, die Menschen auf dem Herzen haben, wie z.B. die Zukunft der Arbeit, den Fragen des Nationalismus, der Religion, des Terrorismus und dem Sinn des Lebens.

Ausdrücklich betont der Autor des Buches, dass er nicht für uns alle antworten kann. Er gibt auch keine Rezepte fürs Leben. Was in Israel oder Russland richtig ist, muss in Westeuropa noch lange nicht richtig sein; ja, es könnte in einem anderen Land oder Kontinent der Welt sogar ein Fehler sein.

Was der Autor in den 21. Kapiteln seines Buches aber vor allen Dingen will, ist Zweierlei. Zum einen will er, dass wir nachdenklich werden und uns von nichts und niemandem verdummen lassen; zum anderen bittet er uns, dass wir uns den lebenswichtigen Problemen zuwenden. Das sind die Probleme des Klimawandels und die der künstlichen Intelligenz, der Roboter in schon vielen Lebenslagen. An einer Stelle schreibt er dann: „Wenn Sie also die Wahrheit … erfahren wollen, so beginnen Sie am besten damit, Leid wahrzunehmen und zu erkunden, was Leid wirklich ist.“

Das ist ein wertvoller Hinweis. Es mag allerlei Formen der Wahrheit geben, eins aber ist immer wahr: das Leid von Menschen; unser eigenes Leid – sei es das des Körpers oder der Seele – dazu das Leiden vieler Gruppen von Völkern oder Staaten. Über das Erkennen von Leid verstehen wir besser, was hilfreich sein könnte und was nicht – und was es mit unserem Lebensstil zu tun hat, wenn Menschen in anderen Gegenden der Welt Leid erfahren.

„Entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut“, nennt der Prophet Jesaja in der Bibel diesen Rat (Jesaja 58,7). Ein „Nur für sich leben“ oder unsere fehlende Nachdenklichkeit macht es anderen leichter, die Welt in ihrem Sinne auszubeuten. Und eine Politik, die sich eher mit der Versorgung von Politikern beschäftigt, geht an den wirklichen Problemen unserer Zeit vorbei.

Darum gebe ich den Rat des Buches gerne weiter. Lassen wir uns nicht von allerlei Vergnügen lähmen oder dumm machen – und: sorgen wir uns um die Leiden derer, die selten in den Nachrichten erwähnt werden. Dann, sagt der Prophet auch, dann wird sich dir die Herrlichkeit des HERRN zeigen. Manchmal blitzt es auf, das Wunder, das ein Mensch dem andern sein kann.

(Foto desired.de Text F.Müller nach buhv.de)

*Yuval Noah Harari: 21. Lektionen für das 21. Jahrhundert, Verlag C. H. Beck
Von Yuval Noah Harari sind auch die Bücher: „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ und: „Homo Deus“