23 Jan Mit Ruhe ist oft mehr gedient

Eine Frau erzählt von etwas (stern.de 19.1.2018), was es doch eigentlich gar nicht geben dürfte: Freizeitstress. Mit Ruhe ist der Welt oft mehr gedient.

Es gibt auch Dinge, die es gar nicht geben dürfte: Freizeitstress zum Beispiel. Das Wort ist eigentlich ein Widerspruch in sich selbst. Dennoch gibt es Freizeitstress. Ein Drittel aller Deutschen leidet darunter, wie eine Krankenkasse in Umfragen herausgefunden hat. Immer ausgebucht sein heißt das, abends und am Wochenende. Sport, Freunde, Besuche bei Eltern oder Großeltern, Theater, wieder Sport, Elternabende, Kinder in den Verein oder zum Klavierunterricht fahren. Alles zusätzlich zur Arbeit, die oft schwierig ist und einen fordert.
Eine Frau erzählt, sie sei im Jahr 2017 sechsundvierzig Wochenenden unterwegs gewesen; wohlgemerkt: in der Freizeit. Sie könne eben nicht Nein sagen zu dem, was von ihr erwartet werde; angeblich erwartet werde. Und sie könne sich nur schwer von ihren eigenen Ansprüchen trennen.

Man muss aber Nein sagen. Natürlich ist der Wunsch zu verstehen, dabei zu sein und Freundschaften zu pflegen. Auch Sport und Kultur sind verständlich. Gesund bleiben ist schön und Konzerte ebenso. Auf der Höhe der Zeit sein ist oft wichtig und macht einen wichtig. Ist man aber auch wirklich da, wenn man überall dabei ist?
Ich fürchte: Nein. Die Seele ist schneller erschöpft, als manche wahrhaben wollen. Was der Körper schafft, schafft die Seele noch lange nicht. Bei einem fortwährenden „Noch mehr“ oder „Immer so weiter“ macht die Seele oft nicht mehr mit. Sie ist da, aber nicht dabei. Sie sieht und hört vielleicht, nimmt aber nichts mehr richtig wahr. Die Seele kann vieles, aber nicht alles.
Die Seele braucht mein Nein. Mein „Gar nichts tun“. Das sollten alle verstehen. Auch Eltern, Großeltern und Freunde, die sich unseren Besuch wünschen und Ansprüche an uns haben. Mit Stress ist niemandem geholfen.

Mit Ruhe dagegen schon. Die Seele erholt sich bei Stille, bei Langeweile, ebenso beim Nichtstun. Was hilft es denn, alles zu bedienen, viel zu gewinnen und nichts richtig zu machen, ja zu verlieren, hat Jesus sinngemäß gesagt (Matthäus 16,26). Jesus war eher unaufgeregt. Dafür sehr achtsam. Und manchmal einfach still, um sich zu erholen. Es wird erzählt (Matthäus 14,23), dass Jesus sich von den Menschen sogar zurückzog in die Stille, zum Nichtstun und zum Beten. Also etwas tat, was jede Seele braucht – einfach nur Nichts. Ruhe. Ruhe ohne Plan.
Die Welt braucht Menschen mit helfenden Händen, das ist wahr. Die Welt und meine Mitmenschen brauchen meine Achtsamkeit und auch meine Fürsorge. Die gelingt mir aber nicht rund um die Uhr und an jedem Abend oder Wochenende. Was die Welt nicht braucht – und ich auch nicht – ist Stress. Mit Ruhe ist der Welt und den Menschen oft weit mehr gedient.

(Foto nur-positive-nachrichtren.de text fm nach buhv.de)