„Mit meinem Gott kann ich Mauern überspringen…“

Am 9. November 1989 wurde die Grenze zwischen Ost- und Westberlin, zwischen Ost- und Westdeutschland geöffnet. Der friedliche Protest gegen die Machthaber in der damaligen DDR führte zu einer friedlichen Revolution, die 1990 zur Wiedervereinigung führte. Mit beeindruckenden Installationen und Veranstaltungen wird in Berlin und in anderen Städten in diesen Tagen daran gedacht.

Ein Ort, an dem Menschen zu Friedensgebeten und Bluesmessen schon in den 80er Jahren zusammenkamen, war die Gethsemane Kirche in Prenzlauer Berg. Am 4. November fand in dieser Kirche eine Podiumsdiskussion mit Musikern, Pfarrern und Historikern statt. Es wurde darüber von Zeitzeugen berichtet, wie eine vom Staat unabhängige Jugendbewegung in der damaligen DDR unter dem Dach der Kirche den Boden bereitete, dass es zur friedlichen Revolution kam.

Einige Vertreter der Kirchen in der DDR hatten „den Sozialismus als bessere Gesellschaftsform“ bezeichnet und sich so der Politik des Staates angepasst. Es gab auch Menschen, die zuerst in kleinen Gruppen sich zu stillen Friedensgebeten trafen. In Umweltbibliotheken, Gemeindehäusern und Kirchen kamen unangepasste, meist junge Menschen zusammen, die sich mit dem vorherrschenden „realexistierenden Sozialismus“ nicht abfinden wollten.

Manchen erscheint es heute geradezu ein Wunder, was im Oktober und November 1989 in Berlin, Leipzig und in anderen Städten der DDR geschah. Die Sehnsucht nach Freiheit, Frieden und Wohlstand ließ sich nicht durch 40 Jahre sozialistischer Ideologie unterdrücken.  

Nach 30 Jahren Mauerfall und friedliche Revolution 1989, berichten Zeitzeugen davon, dass sie mutig zu ihrer Meinung und ihrem Glauben gestanden haben, Benachteiligungen bis hin zu Inhaftierungen auf sich genommen nahmen.

Dankbar können wir sein, dass wir in einer offenen und freien Gesellschaft leben, in der Menschen ihre Meinung offen, tolerant und friedlich äußern können. Menschen, die in der ehemaligen DDR aufwuchsen und lebten, haben ein Gespür für ideologische Bevormundung. Auf einander achten und einander zuhören hilft Verständnis für die Lebensgeschichten in Ost und West zu haben.

Im Psalm 18, Vers 30 heißt es: „Mit meinem Gott kann ich Mauern überspringen.“ Die Kraft des Glaubens hilft uns heute, Trennendes zu überwinden, mit einander neue bereichernde Erfahrungen zu machen.

(Fotos und Text F.Müller. Der Text ist die persönliche Meinung des Verfassers.)

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