12 Nov Volkstrauertag – trauert das Volk?

Afghanistan und Usbekistan
Die Internationale Schutztruppe in Afghanistan unterstützt die afghanische Regierung dabei, ihre Bevölkerung zu schützen und den Wiederaufbau und die Entwicklung des Landes zu ermöglichen. Unsere Bundeswehr ist dort mit 943 Personen im Einsatz.
Atlanta – Horn von Afrika
Seit 2008 engagiert sich die Bundeswehr vor der Küste Somalias. Im Auftrag des Parlaments bekämpft die Deutsche Marine die Piraterie am Horn von Afrika und schützt internationale See- und Handelsrouten. 277 deutsche Soldatinnen und Soldaten sind dort eingesetzt.
KFOR – Kosovo
Seit mehr als zehn Jahren hat die Kosovo Force den Auftrag, ein multiethnisches, friedliches, rechtsstaatliches und demokratisches Umfeld mit aufzubauen und dies militärisch abzusichern. Zurzeit sind 726 Bundeswehrangehörige im Kosovo.
Drei bekannte Beispiele für die zahlreichen Einsätze unserer Bundeswehr im Rahmen der Vereinten Nationen oder der NATO. Die Bundeswehr ist, wir wissen es, zur Einsatzarmee geworden. Seit 1992 beteiligt sie sich an unterschiedlichen Auslandseinsätzen und seit 1994 sind bewaffnete Missionen grundsätzlich an Mandate des Deutschen Bundestages gebunden. Zurzeit tun 2.730 Soldaten und Soldatinnen ihren Dienst bei Einsätzen im Ausland (Stand März 2015. Die aktuellen Zahlen können auf der Homepage der Bundeswehr eingesehen werden.) Dabei operieren sie gemeinsam mit Soldaten der Bündnispartner und befreundeter Nationen.
Nicht alle unserer Soldatinnen und Soldaten kommen unversehrt zurück. Seit 1992 starben 104 Bundeswehrangehörige bei Auslandseinsätzen: 37 Soldaten fielen durch Fremdeinwirkung, 67 kamen durch sonstige Umstände ums Leben. Weitere 22 Personen töteten sich während ihres Auslandseinsatzes selbst. Viele andere, die körperlich gesund zurückkehren, leiden häufig unter den Eindrücken des Krieges und werden langfristig psychotherapeutisch betreut. Betroffen sind dann indirekt auch alle Frauen und Kinder und Angehörigen der Soldaten und Soldatinnen.
Der Krieg hat nach wie vor das Gesicht des Todes und des Leidens. Wir hier in unserem Frieden bekommen nicht allzu viel davon zu spüren. Nur Fernsehbilder, in denen ich die Fratze der Gewalt zu sehen bekomme, schrecken mich gelegentlich auf, und das nicht nur, wenn es um die Bundeswehr geht. Überall auf der Welt wuchern Krieg und Tod wie ein Krebsgeschwür, unaufhaltsam und in immer neuen Facetten des Grauens.
An Tagen wie diesem, ist es gut, sich nicht nur zu erinnern an die Opfer der großen Kriege des letzten Jahrhunderts. Es ist auch gut und wichtig, meine ich, sich an die zu erinnern, die irgendwo auf der Welt ihren Dienst im Rahmen der internationalen Verpflichtungen unseres Landes tun. Und es ist gut, sich immer wieder vor Augen zu führen, dass es „saubere“ Kriege, ohne Blutvergießen und ohne zivile Opfer niemals gegeben hat und niemals geben wird.

Der Volkstrauertag 2015 ist für mich ein Tag des Erinnerns an die vergangenen und gegenwärtigen Kriege, in die wir Deutschen so oder so verstrickt sind. Zugleich ist er für mich aber auch ein Tag, Gott zu danken, dass wir nun schon seit 70 Jahren in Frieden leben können. Gott darum zu bitten, dass dies auch in Zukunft so bleibt, sollte die Aufgabe von all denen sein, die Gott noch etwas zutrauen.