Christian Kopp, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, siehe https://www.ekd.de/christian-kopp-81272.htm

Festpredigt zur Eröffnung der Bachwoche am 1. August 2025 in St. Johannis in Ansbach

„Wir danken dir, Gott, wir danken dir“

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Schwestern und Brüder,

Danke. Liebe Bachwochengemeinde, Danke ist das wichtigste Wort eines religiösen und eines musikalischen Menschen. Danke – dieses kleine Wort verändert alles. Danke, Gott, für mein Leben. Danke für die Schönheit der Natur. Danke für die vielen Sonnenstrahlen und für die vielen Regentropfen auch. Danke, Gott, von Herzen Danke, für Johann Sebastian Bach.

Danke, liebe Bachgemeinde, ist ein sehr unterschätztes Wort und Gefühl. Danke. Damit fängt alles Gute an und damit hört alles auf.

Für mich ist „Danke“ das Hauptwort des christlichen Glaubens. Und ich stelle mir vor, dass nur jemand solche Musik komponieren konnte, der das Danke im Herzen trägt. Johann Sebastian Bach ist für mich der Prophet des „Danke“.

Bach in Ansbach.

Die Bachwoche wird heute eröffnet mit „Wir danken dir, Gott, wir danken dir“. In dieser Bach-Kantate geht es um Liebe, Friede und Dankbarkeit. Und so singt der Chor das Lob Gottes, die Solisten das Erbarmen und die Bitte um Gottes Hilfe und im großen Schlusschoral klingt Gottes Gnade durch die Johannes-Kirche.

Die Musik von Johann Sebastian Bach ist Religion in Melodien. Wer da zuhört, wird verändert. Wird dankbarer. Albert Einsteins Worte zu Bach sind längst Legende: „Was ich zu Bachs Lebenswerk zu sagen habe: Hören, spielen, lieben, verehren und … Maul halten.“ 

Musik und Religion beginnen immer wieder mit Wahrnehmung. Jede und jeder von uns hört anders. Über Musik kann man nicht streiten. Musikgeschmack ist ausgesprochen persönlich. Was die eine liebt, findet der andere seltsam.

Bach ist die Ausnahme. Bach mögen viele, verehren so viele.

Man spürt Bach an, dass es ihm um die Ehre Gottes ging. Um Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens. Ihm geht es um Gott. Um Gottes Wirken in Dein Leben, in mein Leben. Diese Wirkung kann man hören. Kann man spüren. Bachs Musik soll dich berühren. Soll dich umhüllen. Soll dich schützen.

Hier im Kolosserbrief heißt es: Zieht die Liebe an. Nicht fühlt mal in euch hinein. Schaut mal, was euch jetzt so gut tut. Nein, zieht das an. Wie ein Hemd. Wie ein Kleid. Wie eine zweite Haut. Wie eine unsichtbare Schutzhülle. Zieht die Liebe an.

Religion, der christliche Glaube ist nicht laut. Ist nicht pompös. Der christliche Glaube ist zart. Ist leise.

In der Sopran-Arie bittet eine einzelne Stimme: „Schließ uns in dein Erbarmen ein.“ Es ist nur diese Stimme. Fast Stille.

Keine Harmonie, die alles löst. Eine zarte Stimme, die gut tut. Es geht um eine Haltung, die bleibt. Die Dich hält.

Zieht die Liebe an. Das brauchen Menschen in der Gegenwart.

Die Zeit, in der Bach lebte, die Barockzeit, war auch eine Zeit der Gegensätze – Tod und Leben, Leid und Glück, Diesseits und Jenseits. Bach hat diese Gegensätze erlebt und aufgenommen – und miteinander klingen lassen. Als könnte nur Musik Spannungen aushalten, die Worte zerreißen würden. Genau das braucht die Welt heute auch.

Mitten in der Kantate erklingt ein Amen. Nach einem Alt-Rezitativ, das Gott für seine Treue lobt. Und dann: vierstimmig, klar, unvermittelt – Amen. Dieses Amen ist eine Haltung. Es klingt die Stimme des Vertrauens mitten in den Spannungen. Gott schützt, Gerechtigkeit soll herrschen. Bach weiß das. Bach hofft das. Und der Glaube hofft es eben immer. Im Glauben sagen wir: Amen. Dieses Amen ist wie ein festes Auftreten auf schwankendem Boden. Wer so singt, übt Vertrauen. Und wer es nicht singt, hört es. Amen.

Das ist heute schwerer geworden. Die Weitergabe des Geheimnisses von Religion funktioniert so nicht mehr. Wenn Gott aber keinen Platz mehr hat im Leben, dann bleibt ja nur noch das Ich. Ich und mein Body. Es ist kein Wunder, dass in diesen Zeiten, in denen das Unsichtbare und Himmlische an Bedeutung verliert, das Shaping und Forming des Bodys in den Mittelpunkt rückt. Wenn Gott nicht mehr, dann bin ich allein.

Ich und mein Körper. Und der sagt mir dann, ob ich in Ordnung bin.

Müssten wir einfach viel mehr Johann Sebastian Bach hören? Alle miteinander? Eine Bach-Mania beginnen als Gegenbewegung?

„Singt Gott dankbar in euren Herzen“, so heißt das im Kolosserbrief. Für den Brief gehört Musik zum Glauben wie das Atmen zum Leben. Für Bach war Musik Lebenselixier. Jede Kantate ein Dank-Gottesdienst. Jede Note ein Bekenntnis zum Leben. Zum Geschenk des Lebens. Bach unterschreibt alle seine Werke mit: „Soli Deo gloria“.

Die heutige Kantate erzählt von der Wirkung von Religion. Vom Trost. Von der Sehnsucht. Vom Licht im Dunkeln. Bach hat sich immer helfen lassen für seine großen Themen:

Von der Bibel, von Dichterinnen und Dichtern, von der Musik, von Gott. Und das spürt man. Bachs Klang bleibt.

„Seid dankbar in euren Herzen“. Wie geht das in anstrengenden Zeiten?

Die Barockzeit hatte eine klare Antwort:

Hier auf der Erde ist es schwer, aber alles Leid wird sich im Himmel auflösen. Gott wird trösten. Er wird Dein Unglück wenden.

Wir fragen heute anders: Wir suchen den Trost heute. Diese Kantate sagt: Heute. Hier. Es ist nicht alles gut. Aber hier in der Musik ist etwas zu hören, das größer ist als ich. Das mich das Danken lehrt. Mir geht es besser nach dieser Kantate.

Dankbarkeit ist eine Haltung für ein gesundes Leben. Dankbarkeit ist eine religiöse, geistliche Praxis. Wenn wir Bach hören. Wenn wir beten. Wenn wir zu dem, was wir sehen, alles Unsichtbare dazunehmen.

Dann kann es ja nur sein, dass wir mit Johann Sebastian Bach einstimmen:

Dass wir ihm fest vertrauen. Wir werden es erlangen. Und spüren heute schon den Vorgeschmack. Herrlich. Danke.

Amen.


DER LANDESBISCHOF Christian Kopp, München

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