Dekan Dr. Matthias Büttner

„Das große Miteinander“ | Predigt 6. Januar 2026 in St. Gumbertus Ansbach

„Das große Miteinander“ 
Predigt zu Eph 3,1-7
Epiphanias, 6. Januar 2026 
St. Gumbertus, Ansbach 


Liebe Gemeinde!

Der heutige 6. Januar, der Epiphanias-Feiertag ist ein komplizierter Feiertag. Ursprünglich kommt er aus Ägypten. Dort gab es am 6. Januar schon in vorchristlicher Zeit ein Fest für eine heidnische Gottheit. Genau auf diesen Tag legten die ersten Christen in Ägypten dann den Feiertag der Geburt Jesu. Denn der Feiertag war ja schon da, und zudem konnte man ihm eine neue Bedeutung geben.

Im großen römischen Reich, zu dem damals auch Ägypten gehörte, gab es allerdings noch andere, große Feiertage um diese Zeit herum. Am 25. Dezember feierte man in Rom ganz groß die Wintersonnwende; also den Tag, von dem an die Nächte wieder kürzer und die Tage wieder länger wurden. Genau auf diesen Tag legte man nun die Feier der Geburt Jesu. Die Botschaft dahinter war: Nicht mit der Wintersonnwende, sondern mit der Geburt Jesu kommt das eigentliche Licht in die Welt. Weil nun Rom die damalige Welthauptstadt war, einigte man sich auf diesen Termin für das Weihnachtsfest, den 25. Dezember.

Im Folgenden wurde der 6. Januar – weil er ja nicht mehr für Weihnachten gebraucht wurde – zum Festtag der Erscheinung der Herrlichkeit Gottes auf Erden. Dabei wurde vor allem der Wunder gedacht, die sich durch Jesus und um ihn, also durch seine Erscheinung ereigneten wie die Speisungswunder, das Weinwunder zu Kana – und auch der wundersame Besuch der Weisen aus dem Morgenland bei dem neugeborenen Jesus.

Offenbar war dieser Besuch derart eindrücklich, dass der 6. Januar bald nurmehr der Feiertag der Weisen aus dem Morgenland wurde. Am Ende wurden aus den Weisen dann noch die drei heiligen Könige – und fertig war der Feiertag der Heiligen Drei Könige.i

Aber was hat es nun mit dem Besuch der Weisen aus dem Morgenland bei dem neugeborenen Jesus ganz genau auf sich? Das verrät uns auf Umwegen das heutige Predigtwort aus dem Epheserbrief. Hören wir aus dem 3. Kapitel: 1 Deshalb sage ich, Paulus, der Gefangene Christi Jesu für euch Heiden – 2 ihr habt ja gehört von dem Auftrag der Gnade Gottes, die mir für euch gegeben wurde: 3 Durch Offenbarung ist mir das Geheimnis kundgemacht worden, wie ich zuvor aufs Kürzeste geschrieben habe. 4 Daran könnt ihr, wenn ihr’s lest, meine Einsicht in das Geheimnis Christi erkennen. 5 Dies war in früheren Zeiten den Menschenkindern nicht kundgemacht, wie es jetzt offenbart ist seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist; 6 nämlich dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium, 7 dessen Diener ich geworden bin durch die Gabe der Gnade Gottes, die mir nach seiner mächtigen Kraft gegeben wurde.

Das ist der Punkt, worum es heute geht: dass die Heiden Miterben sind und dass auch sie zum Leib Christi gehören. Oder etwas salopp gesagt: Weihnachten ist für alle da. Das klingt recht einfach, ist aber eine riesengroße Sache. Was im Alten Testament immer wieder anklingt, wird jetzt Wirklichkeit: alle Menschen bekommen Anteil an Israels einzigartigem Glauben an seinen einzigartigen Gott.

Wie riesengroß diese Sache ist, zeigt sich an der Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland. So hat es Luther übersetzt. Im Matthäusevangelium ist auch nicht von Heiligen Drei Königen die Rede. Das ist, wie schon gesagt, eine spätere Erfindung. Im Matthäusevangelium ist auch nicht allgemein von Weisen, also Gelehrten die Rede. Magoi steht hier im Griechischen. Davon leitet sich unser Wort Magier ab. Bei den Magoi handelt es sich um Sternendeuter. Nicht zufällig war es ein Stern, der die Magoi zu dem neugeborenen Jesus geführt hat.

Wie riesengroß diese Sache ist, zeigt sich daran, dass es ausgerechnet Sternedeuter sind, die als erstes den Weg zum Jesuskind finden. Denn dem Volk Israel war die Sternendeuterei ein Gräuel.ii Alle Völker um Israel herum verehrten die Sterne als Götter. Nur das alte Israel sah in den Sternen lediglich für die Nacht von Gott gemachte Lichter am Himmel. Aber nun suchen ausgerechnet Sternedeuter nach dem Gott Israels, dem neugeborenen König der Juden. Sie machen sich auf den Weg und finden ihn mit der Unterstützung von jüdischen Schriftgelehrten. Und sie gehen auf die Knie vor dem Kind, das da geboren wurde, und beten es an. Damit gehören sie mit dazu. Die Heiden werden Miterben. Es ist das große Miteinander! Scheinbar unüberwindliche Gegensätze, hier die heidnischen Sterneanbeter, dort das Volk Israel, das keine Sterne anbetet, finden zusammen in der Verehrung des neu geborenen Königs der Juden.

Das ist der Grund, auf den der Epheserbrief aufbaut und betont, auch die Heiden sind Miterben. Auch sie dürfen sich zu dem Gott Israels dazugehörig sehen und zwar durch Jesus Christus. Es geht dem Epheserbrief um nichts weniger als um das Ende des Konflikts zwischen Juden und den frisch dazu gekommenen Christen, die kurz vorher noch Heiden waren.

Ach, wenn in den vergangenen zweitausend Jahren nur öfter der Epheserbrief gelesen und vor allem auch beherzigt worden wäre! Wir sind Miterben und Mitgenossen Israels. Von daher schauen wir noch einmal fassungsloser zurück auf den von den Nationalsozialisten entfesselten Antisemitismus, der sich allen Ernstes die Ermordung der europäischen Juden auf die Fahne geschrieben hatte. Als 1938 in Deutschland die Synagogen brannten, waren es nur wenige, die dagegen die Stimme erhoben. Der große Schweizer Theologe Karl Barth war einer dieser wenigen, der noch dazu im Sinne des Epheserbriefs argumentierte. Im Dezember 1938, keine vier Wochen nach der Reichspogromnacht sagte er in einem Vortrag: „Was wären, was sind wir denn ohne Israel? Werden Juden verwirft und verfolgt, der verwirft und verfolgt doch den, der für die Sünden der Juden und dann und damit erst auch für unsere Sünden gestorben ist. Wer ein prinzipieller Judenfeind ist, der gibt sich als solcher, und wenn er im übrigen ein Engel des Lichts wäre, als prinzipieller Feind Jesu Christi zu erkennen. Antisemitismus ist Sünde wider den Heiligen Geist.“iii

Fassungslos blicken wir allerdings auch auf unsere Gegenwart. In Köln oder Berlin trauen sich Juden auf der Straße nicht als solche zu erkennen zu geben. Für Maßnahmen der israelischen Regierung werden zunehmend die Juden haftbar gemacht. Die französisch-israelische Soziologie Eva Illouz hat angesichts dieses neue Antizionismus darauf hingewiesen, dass dieser „alle Vorurteile, Tropen und Chimären des Antisemitismus in sich einschließt. Statt Kinder zu töten, um ihr Blut zur Zubereitung von Matzen zu verwenden, entnimmt Israel jetzt toten Palästinensern angeblich ihre Organe. Anstelle der „Protokolle der Weisen von Zion“ erklärt Andreas Malm – Guru der grünen Bewegung und Vorbild Greta Thunbergs –, der Zionismus sei der „Überbau“ gewesen, der die Infrastruktur der westlichen Ölförderung erst ermöglicht habe und somit für den Klimawandel verantwortlich sei, der nun zur Zerstörung des Planeten führt.“iv

Inmitten allen Dunkels leuchtet uns heute aus dem Epheserbrief und aus der Geschichte von den Magoi aus dem Morgenland das helle Hoffnungslicht, das scheinbar unüberwindliche Gegensätze überwunden werden können. Heiden, Ungläubige, Gottlose sind die ersten, die zu dem Menschen geborenen Gott kommen. Während die Schriftgelehrten noch den Kopf schütteln. Und König Herodes Mordpläne schmiedet. Und sie – und nicht die Hirten – sind auch die ersten, die das Jesuskind anbeten.

Scheinbar unüberwindliche Gegensätze, hier die heidnischen Sterneanbeter, dort das Volk Israel, das keine Sterne anbetet, finden zusammen in der Verehrung des neu geborenen Königs der Juden. Möge solches Zusammenfinden scheinbar unüberwindlicher Gegensätze uns in diesem vor uns liegenden Jahr reichlich beschwert werden.


DEKAN DR. MATTHIAS BÜTTNER, ANSBACH

i FRIEDRICH KALB, Grundriß der Liturgik, München 31985, S. 70.

ii Vgl. Jes 47,13bf.: Es sollen hertreten und dir helfen die Meister des Himmelslaufs und die Sterngucker, die an jedem Neumond kundtun, was über dich kommen werde! Siehe, sie sind wie Stoppeln, die das Feuer verbrennt, sie können ihr Leben nicht erretten vor der Flamme Gewalt. Denn es wird nicht eine Glut sein, an der man sich wärmen, oder ein Feuer, um das man sitzen könnte.

iii K. BARTH, Die Kirche und die politische Frage von heute, Vortrag in Wipkingen am 5.12.1938: K. Barth, Eine Schweizer Stimme. 1938-1945, Zürich 31985, S. 89f.

iv Süddeutsche Zeitung vom 20./21.12.2025, S. 17.

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