17 Jul Von Zeit und Heilszeit…Gedanken über die Zeit zur Jahresmitte

Haben Sie es gemerkt? Das halbe Jahr ist vorbei. Am Anfang des Jahres hatte man das Gefühl eines langen Zeitraumes, doch dieses Gefühl ändert sich im Laufe des Jahres, jetzt ist die Hälfte schon vorbei und am Ende heißt es oft: Wo ist nur die Zeit geblieben? Diese Auffassung relativiert sich, betrachte ich einmal den kosmischen Rahmen, in dem wir leben. Ein Jahr ist ein Nichts angesichts des Alters der Erde von 4,6 Milliarden Jahren oder angesichts des Alters des ganzen Universums von rund 13,81 Milliarden Jahren. Ein Jahr ist da in der Tat unbedeutend.

Diese Perspektiven erschrecken. Sie sprengen mein Vorstellungsvermögen. Und werfen weitere Fragen auf: Was war vor dem Universum, was war vor 14 oder 15 oder 50 Milliarden Jahren? Nichts? Hat die Zeit ein Ende? Was kommt danach? Nichts oder Unendlichkeit? Die moderne Wissenschaft weiß, dass sich das Universum ausdehnt. Wohin? Und was ist das, wohin es sich ausdehnt? Nichts? Unendlichkeit? Je mehr Antworten die Wissenschaft findet, desto mehr Fragen stellen sich.

Ich kann diesen Fragen nicht ausweichen, doch sind sie mir kein Schrecken, sondern ein Trost. Weil ich in ihnen eine Spur Gottes entdecke. Das ist meine Interpretation, kein Beweis. Eine Interpretation, mit der ich gut leben kann. Dass in allem, was Menschen nicht verstehen, dennoch ein Sinn, Gottes Sinn, ist. Eine Interpretation, mit der ich besser leben kann als mit der Annahme, alles sei nur sinnloser Zufall.

So ging es auch dem Beter des Psalms 139: „Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß! Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Wenn ich aufwache, bin ich noch immer bei dir.“

Und Blaise Pascal, Physiker und christlicher Philosoph des 17. Jahrhunderts, hat geschrieben: „Alle Dinge entwachsen dem Nichts und ragen bis in das Unendliche. … Der Schöpfer dieser Wunder begreift sie; niemand anderes vermag es.“ Und Gott, der Schöpfer, steht seiner Schöpfung, seiner von ihm geschaffenen Zeit, seinem Geschöpf Mensch nicht anteilnahmslos gegenüber. Im Gegenteil: Er selbst ist Mensch geworden, und aus aller Zeit wurde Heilszeit.

(Foto kostenlsoe Fotos bei pixabay Text F.Müller nach WerkstattSpezial)
Der Text ist die persönliche Meinung des Verfassers.