17 Nov Volkstrauer

1914 und 1945 – Anfangs- und Endpunkt einer düsteren Zeit. Beginn des Ersten und Ende des Zweiten Weltkriegs: Epoche millionenfachen Todes, unvorstellbaren Leids, furchtbarer Gräuel. Das Foto zeigt ein Grabrelief, über den beiden Jahreszahlen der Auferstehende, der gerade aus dem Grab kommt.

Das Kreuz in der Hand, die andere zum Segen erhoben, einen Fuß auf den Trümmern einer Grabplatte. Kommt hier zusammen, was nicht zusammengehört? Im Gegenteil: Wenn die Dimension des Leids unvorstellbar ist, muss auch die Größe der Hoffnung unvorstellbar sein. Millionen Tote sind Millionen Leben, Millionen Einzelschicksale – und jedes Leben liegt Gott am Herzen.

Für jedes Leben ist Christus auferstanden. Die Botschaft des Ostermorgens spricht genau in die Fassungslosigkeit der Kriege hinein, wie sie in die Fassungslosigkeit jedes Sterbens hineinspricht. Wie die Frauen am Grab in ihre Trauer hinein die Botschaft „Jesus lebt“ gehört haben,
so dürfen wir sie an jedem Grab hören: am Grab eines geliebten Menschen genauso wie auf den Soldatenfriedhöfen mit ihren langen Gräberreihen. Wo alles durch menschliche Schuld am Ende ist, macht Gott einen neuen Anfang.

Das Bild des Auferstehenden über den Jahreszahlen „1914“ und „1945“ ist jedoch nicht nur Hoffnungsbotschaft, sondern auch Mahnung.
Gott ist ein Gott des Lebens. Er liebt das Leben, ER ist das Leben! Alles was lebt hat seine Lebendigkeit durch und in Gott. Er besiegt den Tod. Nicht durch Gewalt und Zerstörung. Sondern durch LIEBE, durch seine Liebe, die stärker ist als der Tod.

Gottes Wille ist es, dass wir das Leben in Fülle haben. Gerade der Erste Weltkrieg wird – glaube ich – Als die Katastrophe empfunden, weil niemand eine Auseinandersetzung solchen Ausmaßes und solcher Länge erwartet und gewollt hat. War der Zweite Weltkrieg die Folge eines verbrecherischen Regimes, so sind die Beteiligten in den Ersten Weltkrieg fahrlässig hineingeraten.

Weil Krieg immer noch als Politik mit anderen Mittel verstanden und allgemein akzeptiert wurde, ohne sich bewusst zu sein, was Krieg in einem technisierten Zeitalter bedeutet. Und deshalb ist der Erste Weltkrieg eine Mahnung an uns heute: Krieg wird schrittweise wieder „salonfähig“ – sind wir uns wirklich der Folgen bewusst?

Da reden Politiker von einer europäischen Armee… Ein Feindbild ist wieder ausgemacht: Da findet an der Grenze zu Russland das größte NATO Manöver seit Jahrzehnten statt. Und selbst die USA wird nicht mehr als Verbündeter angesehen… Deutsche Rüstungsexporte in Krisen – und Kriegsgebiete wird nicht in Frage gestellt. Und selbst Nachbarländern wird die Freundschaft aufgekündigt, nur weil sie eine andere, als – deutsche Politik vertreten. Rechthaberei, Abgrenzung und Intoleranz sind schon längst „salonfähig“ geworden in den Medien und der Politik.

Kirche und Pfarrer sollen sich nicht in die Politik einmischen – denke ich auch, aber mahnend dürfen wir für den Frieden einstehen. Wir brauchen den Blick nach vorne, den Blick, mit dem uns Gottes Wort Wege weißt, die zum Frieden führen. Frieden im alltäglichen, im Kleinen, Frieden mit unseren Nachbarn, in unserer Stadt, in unserem Land… meint Pfarrer F. Müller, Elpersdorf

(Foto Frankenberger Kirche, Goslar, M-Tillmann)