05 Apr Andacht zur Woche von Domkapitular Dr. Norbert Jung

Liebe Leserinnen und Leser!
In der katholischen Kirche wird der Sonntag nach Ostern als „Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit“ gefeiert. Papst Johannes Paul II., der diese Feier eingeführt hat, war es ein Anliegen, an das Wesen Gottes zu erinnern, so wie es Jesus von Nazareth uns vermittelt und auch vorgelebt hat. Er schilderte uns Gott als barmherzigen Vater, der Ausschau nach seinen verlorenen Kindern hält und der immer bereit ist, zu vergeben und zu verzeihen. Was heißt es nun für uns, wenn wir uns zu einem Gott bekennen, dessen hervorstechende Eigenschaft die Barmherzigkeit ist, der zu uns ist wie ein barmherziger Vater und eine liebende Mutter? Das kann für uns nur heißen, dass wir selber barmherzige Menschen sein sollen!
Was heißt es, ein barmherziger Mensch zu sein? Denken Sie an das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht (Mt 18,21-35)! Er hatte von seinem Herrn Millionenschulden erlassen bekommen, bedrängte aber einen Mitknecht wegen einer Bagatellsumme. Genau so verhalten wir uns oft: Wir vergessen, was Gott für uns getan hat und rechnen mit anderen wegen Kleinigkeiten ab. Lassen wir bei Fehlern anderer mal fünf gerade sein! Denken wir daran, dass auch wir selbst nicht immer richtig handeln, und machen wir uns die Umstände bewusst, die den anderen vielleicht unbewusst zu solchem Verhalten verführen, über das er oder sie sich vielleicht sogar selber ärgert. Seien wir nachsichtig, wie unser Vater im Himmel mit uns nachsichtig ist! Er wird es uns so oder so vergelten.
Wir sind Kinder Gottes, d. h. wir haben Gott zum Vater, zum barmherzigen Vater. Wir brauchen keine Angst vor Gott zu haben! Allerdings sollten wir uns davor hüten, dereinst vor Gottes Angesicht treten zu müssen, ohne im Leben barmherzig gewesen zu sein.