Dekan Dr. Matthias Büttner

„Hoffnung macht Feude“ | Predigt 15. März 2026 in St. Johannis Ansbach

„Hoffnung macht Freude“ 
Predigt zu Jes 66,10-14
Sonntag Lätare, 15. März 2026 
St. Johannis, Ansbach 

 10Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. 11Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mut-terbrust. 12Denn so spricht der Herr: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. 13Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. 14Ihr werdet’s sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des Herrn an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden. 

Liebe Gemeinde! 

Es gibt kaum einen Satz im Alten Testament, in dem so oft vom sich freuen die Rede ist, wie in dem Bibelwort, das wir eben gehört haben. Freut euch mit Jerusalem, seid fröhlich über diese Stadt, freut euch mit ihr, freut euch auch ihr, die ihr traurig wart. 

Jerusalem als Mutterbrust, die ihre Kinder reichlich nährt. Jerusalem als Oase des Friedens und des Reichtums. Wenn es nur so wäre, möchte man sagen. Jerusalem als Stadt der drei Religionen Judentum, Christentum und Islam ist bis heute zerrissen von religiösem Hass und politischer Gewalt. Der Friedenstrom, von dem Jesaja spricht, steht mehr als noch aus. 

Aber so hat auch alles angefangen. Der Name Jerusalem findet seine erste Erwähnung in sogenannten Ächtungstexten. Dabei handelt es sich um Tongefäße, auf die mit ägyptischer Schreibschrift die jeweiligen Feinde geschrieben waren. Durch das symbolische Zerbrechen der Tongefäße sollten auch die aufgeschriebenen Feinde der Ägypter vernichtet werden. Auf Tongefäßscherben um die Jahre 1.800 vor Christus findet sich in der Weltgeschichte die erste Erwähnung Jerusalems.

Zu dieser Zeit war Jerusalem eine für dieses Bergland typische Stadt, die der ägyptischen Großmacht auf welche Weise auch immer Probleme bereitete. Daher die Ächtungstexte auf den Tongefäßen. Einige hundert Jahre später scheint es einen von den Ägyptern eingesetzten Stadtkönig in Jerusalem zu geben. Denn es sind Briefe aus dieser Zeit erhalten, in denen dieser Stadtkönig sich hilfesuchend an den ägyptischen Pharao wendet, weil Jerusalem immer wieder von herumziehenden, nicht sesshaften Gruppen bedroht wird. Ob diese Gruppen schon Judäer waren, wissen wir nicht genau. Jedenfalls gibt es im Buch Josua für das Jahr 1200 v. Chr. die Erwähnung, dass die Judäer Jerusalem nicht erobern konnten. Das gelang erst rund hundert Jahre später dem sagenhaften König David. Er schloss damit die Lücke zwischen seinen beiden Reichen im Norden von Jerusalem und im Süden, Israel und Juda. Aber damit nicht genug. David besaß nun eine in seinem Privatbesitz stehende Stadt, die Stadt Davids, von der er beide Reiche verwalten konnte. Im nächsten Schritt machte David Jerusalem dann auch zum religiösen Mittelpunkt. Er holte die sagenumwobene Lade mit den Tafeln der Zehn Gebote, die bisher als transportables Heiligtum verehrt wurde, nach Jerusalem und stellte sie in einem Zelt außerhalb der Stadtmauer auf. Davids Sohn und Nachfolgekönig Salomo baute dann den Tempel, in dessen Allerheiligstes die Lade Aufnahme fand. Es folgte eine lange Zeit großer Auseinandersetzungen und des langsamen, aber ständigen Zerfalls des einstigen Reiches Davids. Der babylonische König Nebukadnezar zerstörte schließlich 587 v. Chr. die Stadt Jerusalem und mit ihr den Tempel. Diese Erfahrung war für das Volk Israel grundstürzend. Sie führte auch zu einer besonderen Friedenstheologie. Jerusalem wurde nun als Ort verstanden, von dem aus Frieden für die ganze Welt ausgeht. Schwerter würden zu Pflugscharen und die Völker stürmten nicht mehr feindlich gegen Jerusalem an, sondern kämen friedlich im Rahmen einer Wallfahrt zum Gott Israels. Als Jerusalem durch die Römer im Jahre 70 n. Chr. erneut zerstört wird, werden mit dem irdischen Jerusalem vor allem in christlichen Kreisen keine theologischen Hoffnungen mehr verbunden. An seine Stelle tritt ein himmlisches Jerusalem. Aber die Vorstellung vom Mittelpunkt der Welt bleibt. Im Judentum wird dieser Mittelpunkt mit dem Tem-pelberg verbunden. Wir Christen sehen ihn im etwa 500 m entfernten Golgathafelsen, wo Jesus gekreuzigt wurde. Und die Muslime auf dem ehemaligen Tempelberg, dem heutigen Felsendom.ii 

Freut euch mit Jerusalem, seid fröhlich über diese Stadt, freut euch mit ihr, freut euch auch ihr, die ihr traurig wart. Eigentlich könnte gerade diese Stadt die drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam bei allen Unterschieden miteinander verbinden. Bei Juden und Christen funktioniert das nach Jahrhunderten der Verfolgung in unseren Breitengraden mittlerweile gut. Daher habe ich die Hoffnung, dass eine solche Verbindung zum Islam auch einmal gelingen wird. 

Gestern kam die Meldung, dass der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas im Alter von 96 Jahren gestorben ist. Er war einer der ganz großen Denker. Angesichts der Terroranschläge vom 11. September 2001 sprach er von einem verhängnisvollen, weil sprachlosen Zusammenstoß von verschiedenen Welten, der westlichen Welt und der Welt des Islam.iii Die Forderung von Habermas, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln, steht bis heute aus. 

Stattdessen wird geschwiegen. Im Vergleich zur am Staat Israel und seiner Regierung geübten Kritik, fiel solche Kritik an einem Regime wie dem im Iran stets vergleichsweise mild aus. Als wenn man sich damit abgefunden hätte, dass die Machthaber im Iran seit der Revolution von 1979 die Vernichtung des Staates Israel zum Hauptziel haben. Als wenn man sich damit abgefunden hätte, dass die Finanzierung von Terrororganisationen zum Portfolio dieses selbsternannten Gottesstaates gehört. 

Stattdessen verurteilte der Ökumenische Rat der Kirchen im vergangenen Sommer in einer Mischung aus historischem Unwissen und Doppelmoral den Staat Israel als Apartheitsstaat. Aber „wer schon einmal in Israel war, weiß, dass dieses Land – bei allen Spannungen und Konflikten – geradezu atemberaubend multikulturell ist. 20 Prozent der Israelis sind Araber, die meisten Muslime. Entgegen anderslautenden Gerüchten haben sie die gleichen Rechte wie jüdische Israelis. Der arabische Muslim Khaled Kabub ist Richter am Obersten Gerichtshof, die arabische Muslimin Lucy Aharish ist eine beliebte Fernsehjournalistin, die israelische Fußballnationalmannschaft ist bunt – von den Hautfarben und Religionen.“iv 

Golda Meir, Israels Ministerpräsidentin Anfang der 70er Jahre und damit eine der ersten weiblichen Regierungschefinnen der Welt, wurde zu ihrer Regierungszeit einmal die Frage gestellt, wann es Frieden im Nahen Osten gibt. Ihre Antwort: Wenn die Araber ihre Kinder mehr lieben, als sie uns hassen.v Daher gebe ich heute am Sonntag Lätare die Hoffnung nicht auf, dass einmal alle im Na-hen Osten fröhlich sein werden über Jerusalem. Und dass auch die sich freuen werden, die jetzt traurig sind oder gar voller Hass. 

Der Iran besteht zu über die Hälfte seiner riesigen Landesfläche aus Wüste und unfruchtbarem Gebiet. Dafür scheint im Gegenzug die Sonne uneingeschränkt. Mit israelischer Technologie könnte der Nahe Osten zum größten Produzenten und Exporteur von grünem Wasserstoff werden. Der Prophet Jesaja kannte das Element Wasserstoff noch nicht. Aber er kannte den Willen Gottes: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. 

Die Hoffnung auf diesen Friedensstrom wollen wir uns erhalten. Und damit die Hoffnung auf ein Miteinander im Nahen Osten. Und so werden wir gleich singen: „Auf Wegen der Hoffnung, beflügelt im Geist, Visionen vor Augen, die Gott uns verheißt. Getragen vom Segen, der alles umgibt: Sein Angesicht leuchtet, ein Gott, der uns liebt.“vi 


DEKAN DR. MATTHIAS BÜTTNER, ANSBACH

i Calwer Bibellexikon, Band 1, Stuttgart 22006, S. 44. 

ii Calwer Bibellexikon, Band 1, Stuttgart 22006, S. 643-650. 

iii Notiz in der tagesschau-app vom 14.032026. 

iv Bayerisches Sonntagsblatt vom 01.07.2025, S. 2. 

v https://www.welt.de/debatte/kommentare/article231231259/Israel-Hamas-setzt-das-Leben-von-Frauen-und-Kindern-aufs-Spiel.html [abgerufen am 13.03.2026] 

vi KAA 0112,3. 

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