22 Mai Inspiration auf dem Hesselberg-Kirchentag am Pfingstmontag

„Ortes des Glauben“ unter diesem Thema fanden sich am Pfingstmontag ca. 13.000 Gläubige auf dem bayrischen Kirchentag auf dem Hesselberg zusammen.
 
Regionalbischöfin Gisela Bornowski im Gespräch mit dem Festprediger Bischof Dr. Andreas von Maltzahn nach dem Gottesdienst:

Bayerischer Evangelischer Kirchentag mit Gastprediger aus der Nordkirche Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn: „Glaube bewährt sich im Alltag“ Hesselberg/Schwerin (cme). „Orte des Glaubens“ – dieses Thema stand über dem 67. Bayerischen Evangelischen Kirchentag am Pfingstmontag (21. Mai). Die Festpredigt auf dem mittelfränkischen Hesselberg hielt der mecklenburgische Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn.
Der Vertreter der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) erinnerte im 70. Jahr der Partnerschaft zwischen evangelischen Christen in Bayern und Mecklenburg an das Glück, die Mauer zum Einsturz gebracht zu haben: „Wir alle sind heute Bürger eines Landes! Bürgerinnen und Bürger einer freiheitlichen Gesellschaft, die sich den Menschenrechten verpflichtet weiß – und kein Schuss musste dazu abgefeuert werden!“ Ein Volk, das geübt und niedergehalten war in Anpassung – dieses Volk habe sich 1989 aufgerichtet und den Traum der Befreiung gelebt. „Auf alles war der Staatsapparat mit Lagern und Repressalien vorbereitet gewesen, aber nicht auf Kerzen und Gebete. ,Vom Herrn ist’s geschehen und ein Wunder vor unseren Augen.“ (Ps 118,3)‘“, so der Bischof. Die friedliche Revolution habe deutlich gemacht, „welche Kraft in unserem Glauben liegt: Mit Gott an unserer Seite müssen die Verhältnisse nicht bleiben, wie sie sind!“. Im Alltag sind „Orte des Glaubens“ zu finden
Im Blick auf seine eigene Lebensgeschichte hat der Bischof verschiedene „Orte des Glaubens“ erlebt – beispielsweise im bergenden Abendritual, wenn die Eltern mit den Kindern gesungen und gebetet hätten; Gemeinschaftserfahrungen als Jugendliche bei den Chorwanderungen oder beim Wildwasserfahren vor 1989 gemeinsam mit jungen bayrischen Christen in Tschechien. Er sei dankbar für die vielfältige Stärkung, die seine Kirche bis in die Gegenwart durch die bayrische Landeskirche erfahre. Aus solchen Erlebnissen, in denen auch die Nähe Gottes spürbar sei, könne man „Zuversicht schöpfen“, so Bischof v. Maltzahn.
In seiner Predigt auf dem Hesselberg erinnerte er an die Verklärungserfahrung Jesu und seiner Freunde. Dieses Erlebnis auf dem Berg der Verklärung sei kein Gipfelerlebnis gewesen, das sich selbst genug gewesen sei. Es wollte vielmehr bewegen und für den kommenden Weg stärken. Auch Christenmenschen heute seien gehalten, nicht in den einzigartigen Erlebnissen verharren zu wollen: „Dahin werden wir gesandt, wo wir unsere Aufgaben haben, mitten im Leben. Dahin, wo es Jesus nachzufolgen gilt, werden wir geführt – und erfahren dabei: Orte des Glaubens sind auch jene Situationen, in denen wir unseren Glauben zu bewähren haben“, unterstrich der Bischof.
Gegen Fake News und Schüren von Ängsten eintreten
Im Alltag gebe es immer wieder Situationen, „wo es gut ist, nicht zu verschweigen, woran du glaubst, wo es vielleicht auch ein wenig Mut braucht, von dem zu reden, was deinem Leben Kraft gibt“. Der christliche Glaube habe sich auch zu bewähren, wenn Gerüchte und Fake News nach Aufmerksamkeit gierten. Oder, wenn Wahlkämpfer – welcher Partei auch immer – Ängste schürten und Ressentiments verstärkten gegen Menschen, die anders sind. „Dann gehört es zu unserer Verantwortung, deutlich zu machen: ‚Nicht in meinem Namen!‘ – ob am Stammtisch oder in der Wahlkabine“, sagte v. Maltzahn und ergänzte: „Denn auf Jesus sollen wir hören, der uns gelehrt hat, im Fremden die Schwester, den Bruder zu entdecken.“
Das eigene Gottvertrauen sei ebenso gefragt, „wenn das Leben in ländlichen Räumen immer schwieriger wird – als Mecklenburger können wir ein Lied davon singen: In strukturschwachen Regionen zusammenzuhalten; einander beizustehen, wenn es heftig kommt; Bilder einer lebenswerten Zukunft zu entwickeln, die von sorgenden Gemeinschaften getragen werden – das kann gelingen! Gott stärkt uns den Rücken dabei“.
Der Glaube habe sich nach den Worten des Schweriner Bischofs aber auch zu bewähren, wenn „das Interesse an Gott abnimmt. Im Leben einer Kirchengemeinde könne etwas erkennbar werden von der Zuneigung Gottes! Menschen nehmen an einer Gemeinde sehr wohl wahr, wenn auch nach außen hin transparent wird: Hier lebt eine Gemeinschaft. Da ist ein guter Geist am Werk.“
Für Bischof Dr. v. Maltzahn sind Gipfelerlebnisse deshalb wichtig. „Wir leben von diesen göttlichen Momenten. Sie bewegen, nehmen uns mit auf den Weg – dahin, wo Gott uns heute braucht, auf den Weg zu ihm selbst.“ Dabei haben Christen „guten Grund, seiner Führung zu vertrauen – auch dann, wenn seine Wege uns ungewohnt sind, nämlich neu“.

Rückfragen: Christian Meyer, Pressereferent in der Bischofskanzlei Schwerin,
Tel. 0385 / 20223-165, Mobil: 0160 / 36 38 934; E-Mail: christian.meyer@presse.nordkirche.de

Unser Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm stellte sich den Fragen der Kirchentagsteilnehmer
und am Nachmittag inspirierte Pfarrer Michael Wolf vom Gemeindedienst die Zuhörer mit neuen frischen Formen des Glaubens:

Frische Kirche beim Bayerischen Kirchentag
Alte und neue Orte des Glaubens beim Kirchentag am Hesselberg im Blick

Hesselberg. Die religiöse Landschaft in Deutschland verändert sich. Kirche und Gottesdienst – das gehörte früher selbstverständlich zum Leben vieler Menschen, es waren Orte des Glaubens. Heute spricht zum Beispiel der Politikberater Erik Flügge von der Kirche als einer Organisation, die nur 10% ihrer Mitglieder mit Angeboten erreicht. Erik Flügge hat schon vor längerer Zeit das Buch geschrieben: „Die Kirche verreckt an ihrer Sprache“. Mit dem neuen Buch hat er nachgelegt und man könnte meinen, die Kirche verrecke auch an ihrer Bequemlichkeit und Rückwärtsgewandtheit.
Auch im ländlichen Bereich verändert sich die Beziehung zur Kirche. Beim bayerischen Kirchentag auf dem Hesselberg kommen verschiedene Perspektiven zusammen, die für eine Zukunft der Kirche inspirierend sein wollen. Während Bischof von Maltzahn aus Schwerin im Festgottesdienst aus ostdeutscher Blickrichtung auf Orte des Glaubens blickt, stellt Pfarrer Michael Wolf vom Amt für Gemeindedienst der evangelischen Landeskirche um 14 Uhr bei der Hauptversammlung zwei Bewegungen aus der anglikanischen Kirche in England vor. In einem Projekt haben Kirchengemeinden neu gelernt, ihre Gottesdienstbesucher zu motivieren, andere Menschen zum Gottesdienst einzuladen und als Gemeinde eine Haltung der Gastfreundschaft zu entwickeln, damit Menschen einen neuen Zugang zu den alten Orten des Glaubens bekommen. Eine zweite Bewegung in England nennt sich „fresh expressions of church“, also frische Ausdrucksformen von Kirche und versucht hinzugehen zu den Menschen und auf die Bedürfnisse der Menschen zu hören. So sind in den letzten Jahren tausende neue Orte des Glaubens entstanden – indem sie aus Kathedralen Cafés machten, sogenannte Cafethralen. Das Fitnessstudio, der Nagel-Salon, das Einkaufszentrum oder der Skater-Park – an ungewöhnlichen Orten sind neue Formen von Kirche entstanden. Dieser ökumenische Blick kann den Kirchen in Deutschland helfen, neu aufzubrechen und mutig alte Wege zu bestärken und gleichzeitig neue Wege zu wagen. Text: Amt für Gemeindedienst Nürnberg

Jeder Ort kann ein Ort des Glaubens werden, wenn Christen ihn zu einer Begegnung mit Gott machen.

(foto Friedhelm müller, flz vom 23.05.2018 pressetexte zum Kirchentag)