30 Aug Der vergiftete Diskurs

Die politischen Meinungswogen schlagen zurzeit wieder hoch.
Da ist im Streit auf einem Stadtfest ein junger Mann von Geflüchteten erstochen worden. Ein mutmaßlicher Täter wurde verhaftet. Eine entsetzliche Gewalttat, sie geschah in aller Öffentlichkeit. Das Entsetzen deren, die unmittelbar das miterleben mussten oder davon zeitnah hörten war groß. Spontan trafen sich einige hundert Menschen und drückten ihre Betroffenheit aus. Am nächsten Tag trafen sich dann Tausende zu einer angemeldeten öffentlichen Versammlung. Darunter waren auch Rechtsradikale. Auf der anderen Seite versammelten sich Linksradikale und Protestbürger, die gegen die andere Versammlung der anderen Protestierenden protestierten. Die Polizei hatte große Mühe beide Gruppen auseinander zu halten. Und noch sind die Konflikte nicht ausgetragen und gelöst.

Politiker und Medienmacher sind versucht diesen schrecklichen Vorfall der Tötung eines Menschen für ihre Sache zu instrumentalisieren. Maßgebliche Medienmacher verurteilen ein ganzes Bundesland als rechtsradikal. In den Nachrichten wird nicht mehr sachlich differenziert und argumentiert, sondern pauschal verurteilt. Es geht nicht mehr um das Opfer und seine Familienangehörigen. Es werden da ganz andere Fronten aufgemacht, die scheinen klar zu sein. Wer sich dazu in den sozialen Netzwerken betroffen, nachdenklich und kritisch äußert, muss damit rechnen, dass er selbst als „fremdenfeindlich, rassistisch oder als Nazi“ verurteilt wird.

Es gibt wenig Politiker, denen es gelingt, den Diskurs sachlich und fair zu führen. Es sieht so aus, dass, wer sich nicht der propagierten Mehrheitsmeinung „politisch korrekt“ anschließt, dass er mit Diffamierungen rechnen und Äußerungen voller Hass populistisch über sich ergehen lassen muss.

Auch kirchliche Vertreter äußern sich nicht immer sachlich, sondern lassen eher ihre politische Einstellung als eine Bereitschaft zu einem gebotenen Versöhnungsdienst erkennen.

Ein vergifteter Diskus auf allen Seiten…

In ihrem kleinen Buch „zivilisiert streiten“ hat Marie-Luisa Frick versucht eine „Ethik der politischen Gegnerschaft“ heraus zu arbeiten. Für sie ist wichtig, dass Konflikte zum Wesen der Politik dazu gehören. Dazu sind Strategien einer erfolgreichen Konfliktlösung für die politische Arbeit wichtig. Nicht immer muss das Ziel sein, einen Konsens in der politischen Auseinandersetzung zu erreichen. Ethik in der politischen Gegnerschaft fragt nicht nur danach, wie Konflikte gelöst werden können, sondern, wie sie zuerst fair ausgetragen werden können. Dazu gehört auch eine gewisse Stresstoleranz, dann können Kontrahenten eine andere Meinung stehen lassen, auch wenn diese einem als nicht akzeptabel erscheint.

In Sachen „zivilisiert streiten“ haben wir wohl alle noch Nachholbedarf. Auch wir Christen können lernen mit einem versöhnten Herzen zu leben und auch zu streiten. Dabei muss keiner seine eigenen Meinungen verbergen, wir sollen aber deutlich machen, dass es einen Frieden gibt, der größer ist als alle unsere Ansichten und Meinungen.

(Foto lvz.de Text F. Müller)