17 Okt Das Gefühl wählt mit

Gedanken zum Ausgang der Landtagswahl in Bayern.
Lange Gesichter sah man am Sonntagabend. Jedenfalls bei den Verlierern der Landtagswahl in Bayern. Es war ein bitterer Abend für alle, die bis zuletzt gehofft hatten, es möge nicht so schlimm kommen wie vorhergesagt. Es kam aber so schlimm. Die einstmals großen Parteien verlieren deutlich. Man traut ihnen viel weniger als früher.
Man ist der Streitereien in Berlin und München überdrüssig. Viele suchten sich neue Parteien für ihren Ärger – oder für ihre Hoffnung.
Manche wollten vielleicht einfach nur „Denkzettel“ verteilen, was einer Demokratie eher nicht gut bekommt. Klar sollte aber sein: Es darf nicht einfach so weitergehen, weder in Berlin noch in München. Es ist nicht nur eine Frage nach dem Stil und der Performens, wie Politiker sich äußern, es geht auch um den Inhalt von Politik. Wenn Fragen und Sorgen der Bürger einfach ignoriert werden, sollen sich die Politiker nicht wundern, wenn Bürger, wenn sie einmal die Möglichkeit haben, bei einer Wahl, die Parteien und Kandidaten zu wählen, die ihre Meinung vertreten.

Erklärungen gibt es viele, Schuldzuweisungen auch, manchmal schon vor der Wahl. Eine besonders eigenartige Erklärung hatte ein älterer Politiker, der vor einer Woche in etwa sagte: Die vielen aus Deutschland nach Bayern Zugezogenen verstünden eben die bayerischen Verhältnisse nicht. Nicht die Arbeit der Parteien ist schuld, soll das wohl heißen, sondern die Wähler.
Etwas Wichtiges wird dabei gelegentlich übersehen. Es geht bei einer Wahl nie nur um Sachen und Personen; es geht auch ums Fühlen. Das Gefühl wählt mit. Und etliche der Wähler fühlen sich nicht mehr ernst genommen. Oder abgehängt. Das muss längst nicht immer stimmen. Es genügt aber schon, wenn Menschen sich so fühlen. Und Politiker das übersehen. Oder klein reden.

Es gibt ein Gefühl von Ungerechtigkeit. Manche kommen auf keinen grünen Zweig, finden sie. Andere bekommen viel Geld. Man rettet Banken – und für Schulen und Schwimmbäder fehlt angeblich das Geld. Man hilft der Autoindustrie, obwohl sie betrogen hat. Man macht gute Geschäfte mit Waffen. Und bezahlt Pfleger schlecht. Es geht dann also weniger um Sachen, sondern um das Gefühl von Ungerechtigkeit. Das Recht soll strömen wie Wasser, bittet ein Prophet im Namen Gottes (Amos 5,24). Das ist schon damals ein sehr ernster Rat an die Politiker des Landes: Unterschätzt das Fühlen nicht. Vor allem nicht das Gefühl von Ungerechtigkeit. Und macht die Wähler nicht verantwortlich für alles, was nicht nach euren Plänen läuft.
Wähler wollen zuerst das Gefühl bekommen, ganz ernst genommen zu werden auch in ihrem Fühlen. Dann sind sie bereit, auch über Sachen nachzudenken. Und bei einer Sache, der wichtigsten, möchten sie mitdenken und mitreden können: Geht es gerecht zu in unserem Land?
Nicht das Geld, allein die Gerechtigkeit macht ein Land stark. Gerechtigkeit erhöht ein Volk (Sprüche Salomos 14,34)

(Foto pi-news.net Text F.Müller nach buhv.de)